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Aktualisiert: Jan 27

Der Freihandel steht auf dem Prüfstand. Ende 2018 haben sich die EFTA-Staaten und Indonesien auf ein umfassendes Wirtschaftspartnerschaftsabkommen geeinigt. Doch Kritiker haben das Referendum ergriffen. Nun hat es das Schweizer Stimmvolk in der Hand. Der Urnengang erfolgt am 7. März. Dr. Luc Schultheiss, Chief Financial Officer der Endress+Hauser Gruppe, erklärt im Interview, warum das Freihandelsabkommen mit Indonesien für alle Vertragsparteien einen Gewinn darstellt.


Herr Schultheiss, die EU ist die mit Abstand wichtigste Absatzregion für Schweizer Unternehmen. Nun liegt ein umfassendes Abkommen für eine Wirtschaftspartnerschaft mit Indonesien auf dem Tisch. Inwiefern ist Indonesien für die Exportnation Schweiz überhaupt von Bedeutung?


Es stimmt, dass für die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie die EU die wichtigste Handelspartnerin ist. Doch der grösste Teil des potenziell zugänglichen globalen Marktvolumens liegt ausserhalb Europas. Und Indonesien zählt tatsächlich zu den Märkten mit dem höchsten Wachstumspotenzial. Die 265 Millionen Konsumentinnen und Konsumenten, die wachsende Mittelschicht und die stabilen politischen Verhältnisse machen das Land zu einem sehr interessanten Zielmarkt. Experten schätzen, dass sich Indonesien bis 2050 zur viertgrössten Volkswirtschaft der Welt entwickelt. Kurz: Indonesien ist ein wichtiger Zukunftsmarkt und bietet Schweizer Unternehmen grosse Marktchancen.


Auch für Endress+Hauser?


Auf alle Fälle! Global betrachtet zählt Indonesien für die Endress+Hauser Gruppe zu den Fokusmärkten. Der Automatisierungsgrad im indonesischen Fertigungssektor wächst beständig und rasch. Endress+Hauser hat die richtigen Technologien, um diese Entwicklung zu unterstützen. Zudem sind viele weltweit tätige Kunden von Endress+Hauser in Indonesien präsent. Für uns ist es wichtig, sie vor Ort unterstützen zu können. Deshalb haben wir schon seit Jahren eine eigene Vertriebsgesellschaft in Indonesien.


Welche Vorteile versprechen Sie sich aus dem umfassenden Wirtschaftspartnerschaftsabkommen?


Das Abkommen gewährleistet uns einen reibungslosen Export von Hightech-Instrumenten nach Indonesien und beseitigt unnötige Geschäftshürden. Die heute hohen Zölle werden abgeschafft und Patente besser geschützt. Für den Innovationsstandort Schweiz ist das ausserordentlich wichtig.


Und inwiefern profitiert Indonesien vom Freihandelsvertrag?


Nicht nur die EFTA-Staaten, sondern beide Partner erhalten einen einfacheren Zugang zum jeweils anderen Markt. Für indonesische Unternehmen ist dieses Abkommen wichtig, da es den Austausch der Partnerländer fördert und die Unternehmen Schweizer Technologien günstiger beschaffen können. Beides ist hilfreich, um die Wettbewerbsfähigkeit der indonesischen Industrie zu erhöhen. So eröffnet das Abkommen auch den Menschen in Indonesien neue Möglichkeiten und trägt zu Wirtschaftswachstum und höherem Wohlstand bei. Zudem werden effiziente, ressourcenschonende und emissionsarme Geräte, Maschinen und Anlagen aus der Schweiz in Indonesien einfacher und preisgünstiger verfügbar. Diese Technologien tragen dazu bei, die Umweltbelastung in Indonesien zu senken und den Lebensstandard der Bevölkerung zu erhöhen. Freihandel – und insbesondere das Abkommen mit Indonesien – kommen einer nachhaltigen Entwicklung in Indonesien zugute, denn er wirkt sich ökonomisch, ökologisch und sozial positiv aus.



Dr. Luc Schultheiss, Chief Financial Officer der Endress+Hauser Gruppe

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